Big History entdecken


Meine eigene Entdeckungsreise begann mit dem Zeitstrahl (timeline) von Big History. 

Was mich angesprochen hat, war folgendes:

David Christian argumentierte (2015 auf edge.org), dass wir heute auf einer Art intellektuellen Baustelle leben könnten, auf der eine neue Ursprungsgeschichte entsteht. Eine, die global ist und in keiner bestimmten Kultur oder Gesellschaft verankert, außerdem auf immens mehr Wissen beruht als jene (tausende Jahre alten) traditionellen Ursprungsgeschichten, die in einer bestimmten Kultur verankert sind. Während die traditionellen Geschichten also dafür sorgen, dass die Menschheit  sich wahrnimmt als konkurrierende Stämme, und dieses Konkurrenzdenken das Überleben der Menschheit gefährdet, wollte David Christian eine andere Geschichte erzählen, eine Geschichte, die den in der Moderne verlorenen Sinn wiederherstellt und den Menschen hilft, sich als eine Menschheit zu verstehen, woraus sich dann ein Verhalten ergibt, dass alle (Kulturen und Gesellschaften) gemeinsam daran arbeiten, das Überleben der Menschheit zu sichern. Die Wissenschaft würde diese Geschichte erzählen. Seine Inspiration hierfür kam von der Lektüre von H.G. Wells Buch „The Outline of History“.


Das Projekt kam gut an bei seinen Studenten, sie liebten, dass es um große Fragen ging, wie: Was ist unsere Stellung im Kosmos? Ist der Mensch etwas Besonderes? David Christian glaubte, dass Wissenschaft darauf gute Antworten hat, keine perfekten, aber Antworten, die den Studenten weiterhelfen, Sinn zu finden, im Ganzen, nicht nur in vielen kleinen Fragmenten. Es sprach mich auch deshalb an, weil ich mich sehr gut an das Gefühl erinnerte, zwar viel in der Schule gelernt zu haben, aber die einzelnen Fächer standen alle bloß nebeneinander, sie waren nicht miteinander verknüpft, und ich konnte sie auch nicht in einen stimmigen, sinnvollen Zusammenhang bringen.


Cynthia Stokes-Brown brachte es später in ihrem Buch „Big History, Small World“ - für Schüler der Oberstufe so auf den Punkt:

„Telling the story from the Big Bang up to the present is called big history. … Telling this story is like going up on a mountaintop to see the whole landscape laid out below you or out into space to look at the whole Earth. Most of the details are lost to view, but the overall shape comes into sight, a shape that you cannot see from the valley.“

Die Geschichte vom Urknall bis zur Gegenwart zu erzählen, nennt man Big History. ... Diese Geschichte zu erzählen ist so, als würde man auf einen Berggipfel steigen, um die ganze Landschaft unter sich zu sehen, oder ins Weltall hinausgehen, um die ganze Erde zu betrachten. Die meisten Details sind nicht zu sehen, aber die Gesamtform kommt ins Blickfeld, eine Form, die man vom Tal aus nicht sehen kann.


Meine Übersetzung



Bevor wir uns nun der Erzählung zuwenden, wie sie von David Christian und auch Cynthia Stokes-Brown erzählt wird, ein paar Worte von Armando Viso, der darauf hinweist, dass es in Big History nicht notwendigerweise um uns Menschen geht, dass Big History nicht unbedingt auf die Menschheitsgeschichte ausgerichtet ist - auch wenn ihre Geschichten natürlich aus menschlicher Sicht interessant sind. Big History ist aus seiner Sicht zweifellos eine Geschichte (a history), aber man kann nicht sagen, es sei die Geschichte (the history). Für Viso ist Big History weder die Geschichte des Universum, noch eine Geschichte von allem. Eine Geschichte des Ganzen hält Viso per Definitionem für unmöglich und nutzlos, genauso wie eine Karte im Maßstab 1:1, denn das wäre das Territorium und keine Karte mehr. Damit Big History nützlich und verständlich sei, muss sie Dinge auslassen, was wiederum bedeutet, dass es mehrere Big History Geschichten geben könne.


All diesen Einschränkungen zum Trotz kann man natürlich nur mit einer Geschichte anfangen, und die von David Christian erzählte ist zunächst einmal am zugänglichsten.



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